Geschichte

Im Jahre 1931 beschloß die Stadt Gelsenkirchen, den 1928 vom Bauern Halfmann gekauften Bauernhof in eine Künstlersiedlung umzuwandeln.

Der Sozialdezernent Dr. Wendenburg war mit dem Maler Joseph Ahrens befreundet, der in einem Gymnasium auf dem Dachboden wohnte und dringend eine Wohnung und ein Atelier brauchte.

Ahrens kannte wiederum Künstler aus Bereichen wie Bildhauerei, Textilgestaltung, Architektur, Literatur, die in ähnlichen Situationen lebten und arbeiteten.
Zusammen mit dem Bildhauer Hubert Nietsch, den Architekten Ludwig Schwickert und Otto Prinz, und dem Graphiker Ferdinand Mindt begann 1931 das künstlerische Leben in dem ehemaligen Bauernanwesen.
1932 zogen die Kunstweberinnen Berta Obertüschen, die spätere Ehefrau von Ahrens, und Elisabeth Pieper sowie die Modezeichnerin Elli Lindner in die Remise ein.
1935 kam der Schriftsteller und Puppenspieler Heinrich Maria Denneborg und der Goldschmied Willi Spürkel dazu.
1936 bezog der Kunstbuchbinder Heinz Klein die schon 1934 von den Weberinnen geräumte Remise.
1937 eröffnete Karl Schmitz-Hohenschutz seine Keramik-Werkstatt, und der Grafiker Wilhelm Nengelken übernahm das Atelier von Ferdinand Mindt, der 1934 ausgeschieden war.
1938 kam der Kunstschmied Erich Friedemann Werner zur Künstlerschaft dazu, sowie Wilhelm Schröder, der Steinmetzmeister, der das neu erbaute Fachwerkhaus bezog.
Diese Künstlergemeinschaft gründete 1945 die Künstlersiedlung Halfmannshof e.V., mit dem Werkzeichen


zur Erinnerung an das alte Bauernhaus des Hugo Halfmann, welches den Hahn im Deelenbalken über dem Deelentor als Zeichen hatte.

    Die Siedlung wurde 1931 gegründet in einer Zeit, als es noch nicht selbstverständlich war, daß in einer Arbeiter-Region auch künstlerische Aktivitäten in dieser Form geduldet wurden. Das deutsche Bauhaus war mit seiner Idee - alle Künstler unter einem Dach - Gedankenträger und Vorbild, hier in unserer Region vermehrt künstlerische Wirkungsstätten anzusiedeln. In Gelsenkirchen ist es den damaligen Verantwortlichen aus Rat und Verwaltung gelungen, die bis heute bestehende Künstlersiedlung zu gründen. Somit gehört die Künstlersiedlung Halfmannshof zu den ältesten Einrichtungen dieser Art in Deutschland.
    Es war sicher gut, dass von Beginn an darauf geachtet wurde, daß aus jeder Sparte nur ein Künstler auf dem Hof leben sollte. Neben aller Toleranz dem Kollegen gegenüber wurde dadurch ein Konkurrenzdenken weitgehend ausgeschlossen. So lebt der Kunsthandwerker neben dem Designer und dem freien Künstler. So wie die einzelnen Werkbereiche unterschiedlich sind, unterscheidet sich auch der jeweilige Sprachschatz. Daß hierbei verschiedene Auffassungen entstehen und vertreten werden, ist selbstverständlich.
    Die Zugehörigkeit zum Halfmannshof bedeutet zugleich, daß man in einem wunderbaren Umfeld die Möglichkeit hat, zu arbeiten und seine Ideen umzusetzen. Die Öffentlichkeit kann daran teilnehmen, denn neben Ausstellungen von Künstlern und Künstlergruppen werden zu jeder Jahreszeit auch Führungen durch die Ateliers angeboten. Aller hierfür anfallenden Aufgaben werden von den Mitgliedern übernommen.
    (Wolfgang Prager)

Der Halfmannshof in Gelsenkirchen: In den 60er und 70er Jahren ein Zentrum der bildenden Kunst mitten im Ruhrgebiet. Nach der Konzeption des Künstlers Ferdinand Spindel (SchaumstoffObjekte) sollten "Neue Tendenzen in der Bildenden Kunst" erstmals im Halfmannshof ausgestellt werden.
Der Erfolg: Mack, Piene, Uecker, Le Parc, Megert, Ives Klein, rickey, Morellet, die jungen Holländer von Bonies bis Struycken, aber auch "neue Tendenz jugoslawien", "bern 66", die Gruppe Zero ...
Ende der 80er Jahre, in Anlehnung an die Jubiläen zu "150 Jahre Fotografie", zeigte der Halfmannshof zusammen mit dem Museum und anderen Gelsenkirchener Einrichtungen u. a. eine Stankowski-Ausstellung. In den 90er Jahren wurden die "neuen tendenzen" fort gesetzt (B1, Aulehla, Hupe, Platz, van Bebber).

Einige, die heute Klassiker im Bereich der Kunst sind, haben ihre ersten Ausstellungen im Halfmannshof gezeigt.



Künstlersiedlung Halfmannshof